Der markante Bau am Ortseingang von Sarnen wurde 1856 als erstes Kantonsspital des Kantons Obwalden errichtet und gilt bis heute als wichtiger Zeitzeuge der Sozialgeschichte. Im Rahmen der umfassenden Sanierung und Erweiterung wurde das denkmalgeschützte Gebäude an die Anforderungen eines modernen Psychiatriebetriebs angepasst – mit grossem Respekt gegenüber der historischen Substanz.

Das im Wettbewerbsverfahren ausgezeichnete Siegerprojekt «Aurorafalter» des Architekturbüros Sigrist Schweizer Architekten AG, Luzern, wurde in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege weiterentwickelt. Die LICHTSTATION durfte dieses anspruchsvolle Projekt lichtplanerisch begleiten und Lösungen erarbeiten, die Sicherheit, Funktionalität und Atmosphäre in Einklang bringen.

Ausgangslage & Lichtkonzept

Die Lichtplanung für die Psychiatrie Sarnen stellte hohe Anforderungen. Neben den strengen Sicherheitsvorgaben, die in psychiatrischen Einrichtungen unerlässlich sind, galt es, den Vorgaben der Denkmalpflege gerecht zu werden. Das historische Fassadenbild sollte sich im Innern widerspiegeln. Bestehende Strukturen und Elemente wie Deckenbalken oder Wandverzierungen wurden bewusst integriert. Auch gestalterische Elemente von früher wurden wieder aufgenommen. Während des Umbaus freigelegte Details – wie der historische Holzboden – konnten restauriert und beispielsweise im Konferenzraum wieder eingesetzt werden.

Von Beginn an stand der Mensch im Zentrum der Architektur und Lichtplanung. Ziel war es, eine Umgebung zu schaffen, die Geborgenheit vermittelt und bewusst kein typisches Klinikambiente entstehen lässt. Licht sollte Orientierung geben, ohne zu dominieren – funktional, aber stets atmosphärisch.

Die Material- und Farbwahl wurde bewusst zurückhaltend gewählt: gedeckte Farbtöne, natürliche Materialien wie Holz, Beton und Stein prägen das Erscheinungsbild.

Auch die Leuchtenwahl folgte diesem Ansatz. Trotz der notwendigen robusten und schlagfesten Ausführung wurde grosser Wert auf eine optisch hochwertige Wirkung gelegt. So konnte eine Lichtstimmung erzielt werden, die die Architektur sanft unterstützt.

Räume im Detail

Dachgeschoss – Arbeiten, Kreativität und Aufenthalt
Das Dachgeschoss bildet einen vielseitig genutzten Bereich mit Kreativateliers für Malen und Nähen, einer Küche sowie gemütlichen Aufenthaltsräumen mit Sofas. Grosse Dachfenster bringen viel Tageslicht in die Räume, ergänzt durch Einbauspots für eine gleichmässige Grundbeleuchtung.
Aufgrund der teilweise niedrigen Raumhöhe unter den Dachschrägen war eine präzise Planung erforderlich. Die Fensterleibungen konnten ideal genutzt werden, um Beleuchtung integriert und zurückhaltend zu platzieren. So entstand eine funktionale, aber unaufdringliche Lichtlösung, die sich harmonisch in die Architektur einfügt und die besondere Raumstruktur unterstützt.

Besonders prägend sind die sichtbaren Dachbalken und die Steinmauern unter den Dachschrägen. Diese architektonischen Elemente wurden gezielt mit richtbaren Aufbauleuchten akzentuiert. So entsteht eine ausgewogene Balance zwischen Funktionalität, Atmosphäre und architektonischer Präsenz – auch in Bereichen mit stark abfallenden Decken.

Konferenzraum
Im Konferenzraum sorgen flache Aufbauleuchten mit direktem und indirektem Lichtanteil für eine gleichmässige, blendfreie Ausleuchtung. Die Beleuchtung unterstützt konzentriertes Arbeiten und Besprechungen, ohne den Raum optisch zu überladen.

Psychiatrie Sarnen Konferenzraum

Essbereich und Aufenthaltsräume
In den Ess- und Aufenthaltsbereichen steht die Aufenthaltsqualität im Vordergrund. Stoffpendelleuchten setzen weiche, wohnliche Akzente, während Wandleuchten mit direkter und indirekter Abstrahlung für eine angenehme Grundstimmung sorgen.
Bewusst wurde hier ein Raum geschaffen, der Begegnung ermöglicht – ein Ort, an dem man zusammenkommt und gemeinsames Erleben zelebrieren kann. Das Licht unterstützt diese Funktion, indem es eine warme, einladende Atmosphäre schafft – passend zur ruhigen Materialisierung der Räume.

Korridor und Sitznischen
Die Korridore werden mit Vior-Leuchten einheitlich und effizient ausgeleuchtet. Sie sorgen für Sicherheit und Orientierung im täglichen Betrieb. Ergänzend dazu wurden Sitznischen mit Einbauspots ausgestattet, um diese Bereiche gezielt hervorzuheben und zusätzliche Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Behandlungszimmer und Therapiebad
Die Behandlungszimmer wurden bewusst schlicht und funktional gehalten. Zum Einsatz kommen robuste, blendfreie Deckenleuchten, die eine ruhige Ausleuchtung gewährleisten.

Eine besondere Herausforderung stellte die Platzierung der Leuchten dar: Durch Deckenabsätze, in denen technische Installationen untergebracht sind, durfte der Raum optisch nicht zusätzlich an Höhe verlieren. Ziel war es, eine Lösung zu finden, die funktional überzeugt und gleichzeitig die Raumwirkung möglichst grosszügig erhält. Die Entscheidung fiel daher bewusst auf zurückhaltende Deckenleuchten, die sich flach integrieren lassen und die Architektur nicht weiter belasten.

Die Beleuchtung erfüllt die hohen Anforderungen an Funktionalität und fügt sich zurückhaltend in die Innenarchitektur ein. Auf zusätzliche dekorative Lichtakzente wurde bewusst verzichtet.

Ein besonderes Beispiel für den menschenzentrierten Ansatz bildet das Therapiebad. Hier wurde eine RGBW-Beleuchtung integriert, die es den Patientinnen und Patienten ermöglicht, die Lichtfarbe je nach Stimmung individuell anzupassen. So entsteht ein Raum, der persönliche Bedürfnisse berücksichtigt.

Patientenzimmer
Auch in den Patientenzimmern steht eine klare, funktionale Beleuchtung im Vordergrund. Schlichte Deckenleuchten sorgen für eine gleichmässige Grundausleuchtung und entsprechen den spezifischen Anforderungen einer psychiatrischen Einrichtung.

Die Beleuchtung ist so konzipiert, dass sie ausreichend Helligkeit bietet, um sich angenehm im Raum aufzuhalten, und bei Bedarf gedimmt werden kann. Dadurch lässt sich die Lichtstimmung individuell anpassen.

Werkstatt im Untergeschoss
Im Untergeschoss wurde die Werkstatt mit einer klaren, linearen Beleuchtung ausgestattet. Sie gewährleistet ausreichend Licht für handwerkliche Tätigkeiten und erfüllt die funktionalen Anforderungen ohne gestalterische Überladung.

Werkraum

Eingang und Vestibül
Der Eingangsbereich bildet den repräsentativen Auftakt des Gebäudes. Ein eindrucksvoller Kronleuchter setzt hier einen bewussten Akzent und verbindet die historische Architektur mit der heutigen Nutzung. Licht wird hier zum identitätsstiftenden Element.

Umsetzung & Zusammenarbeit

Die Umsetzung der Lichtplanung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Architekten und Bauherrschaft. Bemusterungen, Baustellenbesuche und laufende Abstimmungen waren entscheidend, um die Planung an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Besonders im Dachgeschoss erforderten die freigelegte Balkenlage und die Integration zusätzlicher Dachfenster eine präzise Überarbeitung der Leuchtenplatzierung.

Fazit

Die Lichtplanung für die Psychiatrie Sarnen zeigt, wie anspruchsvolle Rahmenbedingungen, denkmalgeschützte Architektur und hohe Sicherheitsanforderungen mit einer ruhigen, wohnlichen Lichtgestaltung vereint werden können. Licht unterstützt hier nicht nur die Funktion, sondern trägt wesentlich zur Atmosphäre und zum Wohlbefinden bei.
Vertiefende Einblicke in den Planungs- und Umsetzungsprozess finden sich in den verlinkten Baujournalen.

Psychiatrie Sarnen N°1
Vorstellung des Lichtkonzepts mit ersten Visualisierungen.

Psychiatrie Sarnen N°2
Bemusterungen und Herausforderungen auf der Baustelle.

Terminplan:

Planungsbeginn Dezember 2021 / Fertigstellung Dezember 2025 (inkl. Einsprachen, Bauverzögerung)

Auftraggeber:

Kanton Obwalden / LUPS Luzern

Architektur:

Sigrist Schweizer Architekten AG, Luzern

Bauleitung:

Konzept4 AG, Sarnen

Elektroplaner:

Stromplan AG, Stans

Elektriker:

Elektro Furrer AG, Sachseln

Fotograf (Endergebnis):

Ben Huggler